Weihnachtskugeln mit silberner Weltkugel dabei als Symbol für Weihnachten in verschiedenen Ländern

Weihnachtsfeier in verschiedenen Ländern

Weihnachten ist ein Fest, das man heutzutage überall auf der Welt kennt – ob in Russland, Spanien, Schweden, Amerika, Japan oder in einem der vielen anderen Länder, die es auf unserem blauen Planeten gibt. Während manche Traditionen immer gleich zu sein scheinen, egal, wo man feiert, stechen andere Bräuche heraus, weil sie sich von dem unterscheiden, was wir im deutschsprachigen Raum kennen. Nur eines scheint wirklich immer gleich zu sein: Weihnachten ist ein besonderer Feiertag (auch wenn er nicht überall gesetzlich verankert ist), den man nicht allein, sondern im Kreise der Familie verbringt.

Hier wollen wir Ihnen einen thematisch gegliederten Querschnitt durch die Weihnachtstraditionen weltweit bieten, um Ihnen zu zeigen, wie gewisse Aspekte des Weihnachtsfestes rund um den Globus gehandhabt werden. Vielleicht entdecken Sie sogar schöne Ideen, wie Sie Ihre eigene Weihnachtsfeier gestalten können. Der religiöse Hintergrund des Weihnachtsfestes, der freilich in den verschiedenen Ländern der Welt unterschiedlich ist und über alle christlichen Konfessionen bis hin zu den heidnischen Wurzeln des winterlichen Sonnenwendfestes reicht, soll dabei keine Rolle spielen – hier geht es um Praktisches!

Weihnachten im Sommer

Weiße Weihnacht? Von wegen!

Dass Weihnachten in den Ländern nahe des Äquators nicht in wirklich winterlicher Atmosphäre stattfindet und in den Ländern der Südhalbkugel gar in die Sommermonate fällt (denn Sommer und Winter „tauschen“ mit dem Überqueren des Äquators ja die Plätze im Jahresrad), ist wohl allgemein bekannt. In Mexiko und großen Teilen der USA begleiten Kälte und Schnee das Weihnachtsfest nur sehr selten. Besondere Berühmtheit hat in diesem Aspekt Australien erlangt, denn hier liegt Weihnachten mitten im Sommer. Eine Weihnachtsfeier am sonnigen Strand, bei der der Weihnachtsmann über das Meer kommt und ein Weihnachtsmahl in Form von kalten Speisen auf dem Badetuch genossen wird, ist keine Seltenheit.

Kirschzweige zur Heiligen Barbara

4. Dezember – Tag der Heiligen Barbara

Im Andenken an diese Heilige werden an diesem Tag Kirschzweige (oder die Zweige anderer Obstbäume) geschnitten und in einer Vase zu Hause aufgestellt. Durch die Wärme im Haus erblühen die Zweige nach ein paar Wochen – mit Glück genau an Heiligabend. Auf dieses gute Omen hofft man z. B. in Tschechien oder in der Slowakei.

5./6. Dezember – Tag des Heiligen Nikolaus

Da Sie diesen Text auf Deutsch lesen, sind Sie mit der Tradition, Kindern in der Nacht zum 6. Dezember Gaben in den Nikolausstiefel oder auf den Nikolausteller zu legen, wahrscheinlich bestens vertraut. Diese Tradition geht auf Sankt Nikolaus von Myra zurück, der unter anderem als Schutzpatron der Kinder gilt. Uneinigkeit herrscht international über den genauen Termin des Nikolaustages (mancherorts wird er schon am 5. Dezember begangen) und darüber, ob es zusätzlich zu den Nikolausgaben noch Weihnachtsgeschenke gibt (in Deutschland, Österreich, Tschechien und Ungarn dürfen sich Kinder im Dezember z. B. zwei Mal über Geschenke freuen – in Belgien hingegen z. B. nur einmal!).

13. Dezember – Tag der Heiligen Lucia/Luciafest

Dieses Fest geht auf die Heilige Lucia zurück, die mit einer Kerzenkrone auf dem Kopf die dunklen Verstecke verfolgter Christen in den Anfangstagen des Christentums aufgesucht haben soll, um ihre Glaubensbrüder und -schwestern mit Lebensmitteln zu versorgen. Heute wird das Fest vor allem in Skandinavien gefeiert. In Schweden z. B. wird normalerweise eine junge Frau in der Familie zur Lucia gekürt (teilweise gibt es sogar regionale und überregionale Lucia-Wahlen), die in weißem Gewand und mit Lichterkrone Gebäck und Getränke serviert.

24. Dezember – Heiligabend

Dieser Abend ist traditionellerweise in den meisten Ländern für ein gemeinsames Essen mit der Familie reserviert. Vielerorts werden an diesem Abend auch die Weihnachtsgeschenke verteilt. Ein weiteres Element der Feiern zu Heiligabend rund um den Globus ist, zumindest in christlichen Regionen, der Kirchenbesuch bzw. die Lobpreisung Gottes (oder des Weihnachtsgedankens generell) auf anderem Wege (z. B. durch Weihnachtssingen in Griechenland oder die Verkündung des Weihnachtsfriedens in Finnland). Aber auch den Toten gedenkt man an Heiligabend in vielen Ländern: in Finnland und Estland gehört ein Friedhofsbesuch und das Aufstellen von Kerzen zu den Bräuchen; in Litauen wird die Weihnachtstafel nach dem Essen nicht abgedeckt, damit die Toten sich des Nachts daran laben können.

25. Dezember – Erster Weihnachtsfeiertag

Meist werden an diesem Tag die Feierlichkeiten des Vorabends fortgesetzt. In Ländern wie Griechenland, in denen Heiligabend noch in die Fastenzeit fällt, endet an diesem Tag das Fasten und es darf wieder alles aufgetischt und gegessen werden. Eine besondere Bedeutung hat der erste Weihnachtsfeiertag in Großbritannien, Irland und allen Ländern des Commonwealth, in denen Weihnachten nach britischer Tradition gefeiert wird – denn hier ist es der Morgen des 25. Dezember, an dem die Kinder ihre Geschenke in den am Kamin aufgehängten Strümpfen oder unterm Christbaum entdecken.

6./7. Januar – Epiphanias/Tag der Heiligen Drei Könige

In vielen Ländern, u. a. Deutschland, endet die Weihnachtszeit mit diesem Datum – in vielen Ländern, vor allem in christlich-orthodox geprägten, aber auch z. B. in Italien, erreicht sie aber erst jetzt ihren Höhepunkt. Gefeiert wird oft nicht wie hier das Erscheinen der Heiligen Drei Könige, sondern die Taufe Jesu durch Johannes des Täufer. In Portugal, aber z. B. auch in Russland ist dies der Tag, an dem die Kinder ihre Weihnachtsgeschenke bekommen. In manchen Ländern, z. B. Spanien, bekommen sie an diesem Tag nach dem eigentlichen Weihnachtsfest zum zweiten Mal Geschenke – ganz ähnlich wie die Kinder in Deutschland, die sich sowohl am Nikolaustag als auch an Heiligabend freuen dürfen.

13. Januar – Ende der Weihnachtszeit

Dieses Datum gilt natürlich nicht für alle Länder, taucht rund um den Globus aber immer wieder als Enddatum der besonderen besinnlichen Zeit auf – so z. B. in Russland, wo der 13. Januar der traditionelle Neujahrstag (nach dem julianischen Kalender) ist, oder in Schweden, Norwegen und Finnland, wo die Weihnachtszeit auf königlichen Erlass von Knut IV. vom Luciafest an genau einen Monat dauert.

Weihnachten: das Familienfest schlechthin

Ob in Dänemark, Frankreich, Amerika, Italien, Polen oder Mexiko – Weihnachten ist und bleibt ein Fest für die Familie, zumindest in christlich geprägten Ländern. Wer sich mit den Weihnachtstraditionen rund um die Welt beschäftigt, wird schnell merken, dass so gut wie immer die Familie im Mittelpunkt steht, sich trifft (manchmal lädt man sogar die Toten mit ein, wie in Litauen), einander und besonders den Jüngsten Geschenke macht und gemeinsam an einer Festtafel speist.

Auch die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest, wie das Schmücken des Baumes, sind häufig Familiensache. Anders sieht es in Ländern aus, die aus eigener Tradition heraus gar kein Weihnachten kennen, sondern es erst durch Kontakt mit Europa kennen gelernt haben. In China z. B. wird Weihnachten vor allem durch weihnachtliche Dekorationen im Stadtbild greifbar und beflügelt die Umsätze der Geschäfte (wie ja auch hierzulande); in Japan verbringt man normalerweise einen lustigen Abend mit Freunden oder gönnt sich ein romantisches Abendessen als Paar – das Familienfest ist in Japan traditionell das Neujahrsfest.

Die Sache mit den Geschenken

Darüber, dass zu Weihnachten auch Geschenke gehören, gerade für die Kleinsten der Familie, scheinen sich weltweit alle einig zu sein. Uneinigkeit herrscht allerdings darüber, wann denn diese Geschenke nun übergeben werden (weiter oben haben wir versucht, Ihnen einen Überblick über die möglichen Termine zu geben) und wer sie bringt. Schon innerhalb Deutschlands ringen Christkind und Weihnachtsmann um diese Rolle.

Der Weihnachtsmann ist übrigens eine Adaption des Heiligen Nikolaus, welcher ihn in manchen Ländern komplett ersetzt, in anderen neben ihm existiert und den Kindern an seinem eigenen Festtag Geschenke bringt. Weihnachten in Russland wird seit der Revolution im Jahre 1917 offiziell nicht mehr vom kapitalistisch empfundenen Weihnachtsmann, sondern von Väterchen Frost (Djed Maros) begleitet, der seinem Vetter im roten Gewand (welches übrigens erst durch die berühmte Coca Cola-Werbung rot wurde – vorher stellte man den Weihnachtsmann auch gerne in anderen Farben wie grün oder blau dar) in Aussehen und Verhalten sehr ähnelt.

Das Christkind geht ursprünglich auf den neugeborenen Jesus zurück, hat sich über die Jahrhunderte in seiner Gestalt vielerorts aber gewandelt. Seine Erscheinungsformen reichen vom italienischen Gesù bambino (zu deutsch etwa: Jesuskind) bis zu engelartigen blondgelockten Mädchen.

Drei Weihnachtsgeschenke übereinander

Wer den Blick über den deutschen Tellerrand wagt, wird schnell feststellen, dass international zwar der Weihnachtsmann eindeutig das Monopol im Geschenkebringen hat, aber dass viele Länder – oft neben dem Weihnachtsmann – eigene Charaktere kennen, die mit Gaben Kinderherzen höher schlagen lassen. Bemerkenswert sind der Weihnachtsengel, der in Ungarn der eigentliche Geschenkebringer ist und vom Christkind allenfalls unterstützt wird, die freundliche Weihnachtshexe Befana, die in Italien zum Epiphanias-Fest (daher auch ihr Name) Geschenke bringt, Olentzero, der Köhler aus dem Baskenland, der spanischen Kindern aus Holzscheiten geschnitzte Spielzeuge schenkt, und die dreizehn Weihnachtskerle aus Island, die sich ab dem 12. Dezember einer nach dem anderen im Haus versammeln, bis sie am 24. Dezember vollzählig sind. Ähnliche Vorstellungen von Kobolden oder Zwergen, die Geschenke bringen, gibt es ferner in Dänemark und Estland. Auf der Iberischen Halbinsel tauchen außerdem auch die Heiligen Drei Könige als Geschenkebringer auf.

Das Festmahl auf der Weihnachtstafel

Das Weihnachtsessen ist überall ein besonderer Anlass, der mit besonders viel Sorgfalt zelebriert wird. Zentrales Element ist auch hier wieder die Zusammenkunft der Familie; was aufgetischt wird, ist meist landestypisch, verrät aber auch, dass nicht irgendein Tag, sondern Weihnachten ist.

Schön dekorierte Weihnachtsgans
Wer bei diesem Weihnachtsessen nicht Appetit bekommt ...

Über Landesgrenzen hinweg immer wiederkehrende „Klassiker“ unter den Weihnachtsgerichten sind Geflügel, wie die typische Weihnachtsgans, bei welcher es sich ursprünglich wohl um eine Martinsgans zum Ende der Fastenzeit gehandelt hat, und Fisch, der auch in der Fastenzeit gegessen werden darf. Die für uns wohl befremdlichste Wahl eines Festmahls findet sich in Lettland, wo ein gekochter Schweinekopf serviert wird. In Japan ist das typische Weihnachtsessen übrigens nicht herzhaft, sondern süß: ein Erdbeerkuchen symbolisiert die Farben rot und weiß.

In Polen gibt es den besonders schönen Brauch, beim Weihnachtsmahl für eine zusätzliche Person einzudecken, sollte jemand an diesem Abend, wie Maria und Josef vor rund 2000 Jahren in der Weihnachtsgeschichte, nach Obdach fragen. In vielen Ländern der orthodoxen christlichen Kirche, z. B. in Griechenland, gehört der Heilige Abend noch zur Fastenzeit und es dürfen daher nur bestimmte Lebensmittel aufgetischt werden. In vielen Ländern muss mit dem Beginn des Weihnachtsfestessens zudem gewartet werden, bis die ersten Sterne erscheinen – ganz im Andenken an den Stern von Bethlehem und die Weihnachtsgeschichte.